CompactFlash im Atari Falcon - Ein Erfahrungsbericht

Das Problem

Obwohl der ATARI Falcon 030 ein sehr schöner Rechner ist, den ich gerne einsetze, hat er von Haus aus ein gewaltiges Problem, welches die ST-Computer nicht hatten: Er ist nervig laut.

  • Der Lüfter dröhnt wie ein Haarföhn.
  • Auch die Festplatte kann sich mit dem HotAir 5000 aus Spaceballs messen.
  • Und der Lautsprecher erschlägt einen mit brachialer Lautstärke.
Da ich den ATARI fest in mein Musik-Setup integriert habe, stören mich diese Geräusche gleich doppelt.

Gut, Lüfter und Lautsprecher sind schnell abgeklemmt. Somit ist der ATARI schon eine ganze Menge leiser. An den Sinn und Zweck von dem Popel-Lüfter glaube ich sowieso nicht, und das Signal des Lautsprechers liegt auch am LineOut an.

Doch die Festplatte bietet ihre ganz eigene Lärm-Dramaturige. Meistens beginnt sie mittellaut und steigert sich im Laufe der Zeit auf die Lautstärke eines kleinen Staubsaugers.

Also ging es ihr an den Kragen. Sie wurde gegen eine flüster-leise CompactFlash-Karte getauscht und seitdem verhällt sich der Falcon wieder wie ein normaler ST: Nämlich ruhig!

Die benötigte Hardware

Da sich eine CompactFlash-Karte fast wie eine IDE-Platte verhällt, sind eigentlich keine weiteren Probleme zu erwarten. Eine ausreichend große Karte kann man für ca. 25,- Euro unten im Hafen erwerben und auch einen IDE-Adapter gibt es für wenig Geld. (2,50 Euro genauer gesagt).

Der Falcon bietet einen 2,5" IDE-Anschluss. Der CompactFlash-Adapter ist aber für 3,5" ausgelegt. Also muss ein Konverter her, wie man ihn ebefalls für 2,50 Euro im Fischlokal bekommt.

Doch hier treten die ersten Probleme auf. Der IDE-Anschluss im Falcon steht senkrecht nach oben. Wenn man also beide Adapter ineinander steckt, bekommt man den Falcon nicht mehr zu. Eine Lösung wäre, ein Loch in das Gehäuse zu fräsen. Dies hätte den Vorteil, dass man die Flash-Karte jederzeit leicht austauschen kann, sieht aber bescheiden aus.

Ein IDE-Verlängerungskabel wird also benötigt. Und dieses habe ich im gesamten Hafen nicht gefunden. Erst nach langem Suchen bin ich auf ein Angebot bei Conrad-Elektronik gestoßen. Natürlich hatte man das Kabel dort nicht auf Lager, so dass es erst nachbestellt werden musste. Dies allein ging schon 1,5 Wochen.

Hat man erst alle Teile zusammen, ist der Einbau schnell erledigt. Im Gegensatz zur Stacy lässt sich der Falcon sehr einfach öffnen. Und bereits unter der ersten Blech-Isolierung liegt auch schon die Festplatte. Diese habe ich einfach samt Halterung ausgeschraubt.

Über die Stromversorgung muss man sich übrigens keine Gedanken machen. Die meisten CompactFlash-Adapter kommen prima mit der IDE-Busspannung zurecht und benötigen keine separate Stromquelle. Hierzu muss nur ein Jumper gesetzt werden.

Der eingebaute CF-Adapter

Der eingebaute CompactFlash-Adapter mit Kabel

Detailansicht der IDE-Verlngerung

Ohne IDE-Verlängerung steht alles senkrecht in die Lüfte

Da durch den Ausbau der Festplatte viel Platz frei wurde, kann man den CompactFlash-Adapter einfach im IDE-Kabel einwickeln und an die Stelle der Festplatte legen. Siehe Bild:

Der zusammengerollte CF-Adapter

Zusammengerollt passt alles an den Platz der alten Festplatte

Partitionierung und Installation des Treibers

Anschließend kann der Falcon wieder geschlossen werden und die Treiber-Installation kann beginnen. Als Treiber habe ich die "SCSI Tools Junior" mit dem HDDriver 6.01 von Hard&Soft verwendet.

Nach dem Einschalten erkennt der Falcon die Flash-Karte noch nicht. Also schnell die Diskette mit den SCSI Tools eingelegt und SCSITOOL.APP gestartet. Das Programm sucht zunächst den SCSI-Port und den IDE-Port nach angeschlossenen Geräten ab, was problemlos funktioniert.

SCSI-Tool scannt die Systembusse

SCSI-Tool scannt die Systembusse

Der CF-Adapter wird als IDE-Festplatte erkannt

Der CF-Adapter wird als IDE-Festplatte erkannt

Nun geht man einfach auf "Partitionen->Neu einrichten" und folgt den Anweisungen auf dem Schirm. Im folgenden Frage-Dialog wählt man am Besten "Bestehende" um die bisherige Partitionierung der Flash-Karte zu sehen.

Alle Partitionen müssen vom Typ BGM sein. Ältere GEMDOS-Versionen (vor 3.0) haben auch noch Probleme mit bestimmten Partitionsgrößen. Auf all dies nimmt das Programm bereits Rücksicht, wenn man auf "Aufteilen" klickt. Es werden verschiedene Vorschläge gemacht, wie das Laufwerk partitioniert werden soll.

Den Hinweis, dass die Partitionen erst mit GEMDOS 3.0 verwendet werden können, kann man ignorieren. Der Falcon wird mit GEMDOS 3.0 ausgeliefert, so dass Partitionen bis zu 1 GB möglich sind.

 Mit Aufteilen werden die Partitionen automatisch vorgeschlagen

Mit "Aufteilen" werden die Partitionen automatisch vorgeschlagen

Wie man auf dem Bild erkennt, habe ich zwei gleich große Partitionen gewählt. Die eine für Programme und Systemdaten, die andere für selbst erstellte Dateien. In meinem Fall also Cubase-Arrangements.

Mit "Ok" werden die Partitionen geschrieben. Dabei gehen alle bisherigen Daten verloren.

Anschließend muss noch der HDDriver installiert werden, da die Flash-Karte sonst nach dem Ausschalten nicht mehr von TOS erkannt wird. Dies geschieht mit "Treiber->Installieren". Auch hier kann man einfach den Anweisungen folgen und den Treiber auf C:\ installieren.

Ist dies geschehen, ist die Zeit für einen Neustart reif. Wenn alles funktioniert hat, sollte beim Hochfahren der HDDriver geladen werden und die Karte kann benutzt werden. Doch genau dies wollte bei mir natürlich nicht funktionieren. Für diesen Fall wird das Tool PREINST.TOS mitgeliefert.

PREINST.TOS geht davon aus, dass manche IDE-Geräte zunächst initialisiert werden wollen, bevor sie benutzt werden können. Erst dann kann TOS den HDDriver laden. Hierzu modifiziert PREINST.TOS den Boot-Sektor einer Diskette, da dieser beim Hochfahren als aller erstes ausgeführt wird.

Fährt man den Falcon mit der so erzeugten Boot-Diskette hoch, sieht man, wie die CF-Karte erkannt wird. Der HDDriver wird allerdings immernoch nicht geladen. Der Bootsektor ist also überflüssig und muss nicht extra erzeugt werden.

Zum Glück lässt sich der HDDriver auch manuell starten. Hierzu gibt es die Datei HUSHI.PRG. Um mein Problem zu lösen habe ich also die Datei HUSHI.PRG in den Auto-Ordner einer leeren Diskette kopiert. Fährt man den Falcon mit dieser Diskette im Laufwerk hoch, wird der HDDriver von der Diskette ausgeführt und die CompactFlash-Karte kann endlich benutzt werden.

Der letzte Schliff

Als letzten Schritt müssen die Partitionen nun noch angemeldet werden. Dies macht man im GEM-Desktop mit "Extras->Ikonen anmelden". Es empfiehlt sich übrigens die Partitionen auf diese Weise manuell anzulegen, anstatt "Extras->Laufwerke anmelden" zu verwenden. Der letzte Menüpunkt erkennt zwar alle Partitionen automatisch und meldet diese auch an, die gewählten Bezeichnungen heißen aber einfach nur "Gerät" und sehen optisch nicht schön aus.

Also wählt man "Extras->Ikonen anmelden". Als Ikonen-Typ nimmt man "Desktop". (Dieser Begriff ist etwas unglücklich gewählt). Im folgenden Fenster gibt man als Ikonenkennung den Laufwerksbuchstaben ein. Dieser wird ab "C" hochgezählt. Der Name kann frei gewählt werden. Die Art ist "Laufwerk".

Anmelden einer Ikone auf dem Desktop

Anmelden einer Ikone auf dem Desktop

Mit "Ok" wird die Ikone auf dem Desktop angelegt. Es wird aber nicht geprüft, ob es den Laufwerksbuchstaben wirklich gibt. Diese Prüfung erfolgt erst, wenn man probiert, das Laufwerk zu öffnen.

Anschließend ordnet man die Ikonen auf dem Desktop nach Geschmak an und wählt "Extras->Arbeit sichern". Dies erzeugt eine Datei namens NEWDESK.INF, welche Informationen zu allen Ikonen und geöffneten Fenstern enthällt. TOS ist sogar intelligent genug, diese Datei auf C:\ abzulegen und auch dort wieder zu suchen. Somit bleiben die Ikonen und Fenster nach dem Hochfahren erhalten.

Macintosh-Feeling auf dem ATARI

Da kommt fast schon Macintosh-Feeling auf.

Resumé

Alles in Allem bin ich sehr zufrieden mit der CompactFlash-Karte im Falcon, da dieser nun komplett still ist. Einzigster Wehrmutstropfen ist die Start-Diskette, welche benötigt wird, um den HDDriver zu starten. Warum das nicht von der CF-Karte geht, weiß ich nicht. Im Vergleich zu einer lärmenden Festplatte ist dies aber ein akzeptabler Kompromiss.


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